Schule: Medienkompetenz mangelhaft

Der deutsche Durchschnittslehrer ist 48 Jahre alt. Kein Alter zum twittern, bloggen oder chatten. Auch Eltern, die in diesem Alter sind, nutzen das Internet eher sporadisch und wenn dann zielgerichtet in den Bereichen, die ihnen bereits vertraut sind. Ein Verhalten, das natürlich normal und verständlich ist. Doch gleichzeitig wachsen die neuen Medien immer weiter und stehen vor dem Sprung in die 3.Generation, falls es denn wirklich ein „Web 2.0″ gab. Und im Gegensatz zu ihren Eltern und Lehrern, nutzen heute Schüler das Internet wie selbstverständlich und wachsen mit ihm. So entsteht eine technologische und sozio-kulturelle Kluft zwischen den Generationen, die an vielen Schulen oft erst zu einer Überforderung und anschließend zu umgreifenden Verboten und Restriktionen führt.

Der technologische Fortschritt ist damit jedoch nicht aufgehalten. Im Gegenteil. Die Kluft zwischen den Generationen wächst so nur noch schneller. Die Nutzung neuer Medien wird so zu einer Domäne der Jugend, die oft selbst nicht weiß, wie sie damit eigentlich umgehen soll.

Dieses Problem lässt sich aber nur lösen, wenn alle Generationen miteinander über zeitgemäße Medien offen reden können und bereit sind einander zuzuhören. Dabei geht es nicht darum, Eltern und Lehrern platte Vorwürfe zu machen. Ebenso wenig, wie Medien sinnvoll sind, nur weil sie genutzt werden, sind Erwachsene nicht „böse“, nur weil sie diese nicht nutzen. Es muss jedoch auch klar sein, dass junge Menschen ein Recht haben müssen, sich in ihrer eigenen Art auszudrücken und dafür zeitgemäße Mittel zu benutzen. Verboten helfen hier nicht. Deshalb ist es unabdingbar, dass moderne Bildungspolitik nicht nur inhaltliche Kompetenzen abverlangt und fördert, sondern auch soziale. Das bedeutet unter anderem zu verstehen, wie wir heute Medien nutzen und über welche Wege wir miteinander kommunizieren.

Fotohandys sind ebenso wenig schlecht, nur weil sich damit theoretisch „Gewaltvideos“ drehen lassen, wie Autos schlecht sind, weil man damit Unfälle bauen kann. Wikipedia ist ebenso wenig ein Hort der Anarchie und Willkür „wo jeder schreiben kann, was er will“ wie eine vollendete Sammlung menschlichen Wissens. Und Bloggen kann eben auch immer nur so sinnvoll sein wie der Blogger. Wer dies alles per Verbot reglementieren möchte, verschließt die Augen im Wissen, nun nicht mehr verantwortlich zu sein.

Doch was ist der richtige Weg, hin zu mehr Kompetenz und Verantwortung? Sicherlich lernen auch Lehrer, genau wie ihre Schüler, am besten, indem sie die neuen Medien auch selbst nutzen und lernen eine Balance zu finden. Gerade die öffentliche Hand kann enorm viel Geld einsparen, indem sie die Medienkompetenz der eigenen Angestellten erhöht, Open-Source nutzt oder Arbeitsabläufe und Projekte auch in Wikis oder Blogs dokumentiert, wenn es schlicht sinnvoller und transparenter ist.

Dafür ist neues Denken nötig. Doch solange lediglich 13% aller Lehrkräfte in Deutschland unter 35 ist, wird dies kaum geschehen. Vorallem in Westdeutschland sind enorm viele Pennäler zwischen 50 und 60. Das durchschnittliche Pensionsierungsalter liegt aktuell bei 62. Wenn sie sowieso abgelöst werden, wieso sollen ihre Nachfolger dann nicht direkt diese Kompetenzen erwerben?

Nur mündige Bürger, können andere zu eben diesen heranziehen und das notwendige Wissen weitergeben. Doch dafür braucht es auch Platz, Zeit und Anerkennung. Ein Nebenfach „Medienkompetenz“ sollte im Land des Buchdrucks eigentlich mindestens so logisch wie Kunst- oder Musikunterricht sein.

Es gibt genügend praktische Beispiele, wie Medien eine Rolle im Schulalltag spielen können. Digitale Fotografie und Bildbearbeitung (flickr, creative commons usw!) im Kunstunterricht. Bloggen als neue Ausdrucksmöglichkeit (die 68er müssten eigentlich jubeln) und der richtige Einsatz von Wikipedia und Co. als Recherchequelle im Deutschunterricht. Die Ewig-Diskussion über die Zukunft der Zeitungen und Online-Nachrichten gäbe genug Stoff für mehrere Fächer ab. Und warum sollten die Aushänge am schwarzen Brett eigentlich nicht per Microblogging bei twitter landen? So könnte jeder Schüler per Handy alles wichtige erfahren und müsste nie wieder sinnlos zur ersten Stunde in der Schule stehen.

Es gibt viel mehr praktische Möglichkeiten, als wir heute nutzen. In Wahrheit würde das Web 2.0 durch Einbindung an Schulen und Universitäten mindestens genauso profitieren wie diese von ihm. Es würde von allen genutzt und erst wirklich sinnvoll.

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